Sebastianiprozession in Kößlarn

Ein Hei­li­ger für die Not unse­rer Zeit

Tra­di­tio­nel­le Sebas­tia­ni­pro­zes­si­on mit Bit­te um Ende der Pandemie

Nur ein alter, heu­te nicht mehr ver­stan­de­ner Brauch oder noch immer von höchs­ter Aktua­li­tät? Pfar­rer Jörg Flei­scher schlug in sei­ner Pre­digt zum Fest des hl. Sebas­ti­an, das in Köß­larn, einem Gelüb­de aus dem 17. Jahr­hun­dert fol­gend, tra­di­tio­nell mit einer Pro­zes­si­on gefei­ert wird, einen Bogen von der tod­brin­gen­den Zeit der gro­ßen Pest­epi­de­mien zur Not­zeit der Coro­na-Pan­de­mie heu­te. Wenn­gleich nicht wie in den Jah­ren 1649 und 1669 so vie­le Tote zu bekla­gen sei­en, habe Coro­na nicht nur die Gesund­heit vie­ler Men­schen beein­träch­tigt, son­dern vor allem der Kir­che als gan­zer und dem Leben in der Pfar­rei mas­si­ve Schä­den zuge­fügt. Über­haupt sei­en auch in der Gesell­schaft tie­fe Spal­tun­gen ent­stan­den, eine immer wei­ter um sich grei­fen­de Pest der Feind­schaf­ten und des gegen­sei­ti­gen Miss­ver­ste­hens. Sie kön­ne nicht durch Demons­tra­tio­nen und Pro­tes­te, wohl aber durch die Macht des Gebe­tes, durch die Macht Got­tes also über­wun­den wer­den. Sebas­ti­an, ein römi­scher Offi­zier der kai­ser­li­chen Gar­de unter Dio­kle­ti­an, habe der Über­lie­fe­rung nach als beken­nen­der Christ im Cir­cus Maxi­mus einen gewalt­sa­men Tod gefun­den, nach­dem man vor­her ver­geb­lich ver­sucht hat­te, ihn mit Pfei­len zu durch­boh­ren. Sei­nen Ruf als Pest­hei­li­ger erlang­te er im 7. Jahr­hun­dert in Rom, als dort die Pest wüte­te und man durch eine Pro­zes­si­on mit sei­nen in den Kata­kom­ben an der Via Appia bestat­te­ten Gebei­nen die­se Gei­ßel der Mensch­heit been­den konn­te. Seit dem Mit­tel­al­ter, so Pfar­rer Flei­scher, sehe man in sei­nen durch die Pfei­le geris­se­nen Wun­den ein Sym­bol für die Wun­den der jewei­li­gen Zeit, für Krieg und Hun­ger eben­so wie für ver­hee­ren­de Seu­chen. Das Gebet auf die Stra­ße zu tra­gen, kön­ne auch heu­te die Not wie­der wen­den. Aus die­sem Grun­de ging sein Dank auch an alle Teil­neh­mer an der Pro­zes­si­on durch den Ort, nament­lich an Bür­ger­meis­ter Wil­li Lind­ner, die Mit­glie­der des Markt­ge­mein­de­ra­tes, die Ver­ei­ne – hier zeich­net sich ja gera­de der Arbei­ter­ver­ein durch sei­ne Ver­eh­rung des hl. Sebas­ti­an aus – , die Köß­lar­ner Blä­ser, die den Got­tes­dienst musi­ka­lisch gestal­te­ten, und an alle, die den Got­tes­dienst wie auch die Pro­zes­si­on unter­stüt­zend mög­lich gemacht haben. -mn

Mar­tin Niedermeier

Bild 1: Beim Fest­got­tes­dienst fand die Figur des hl. Sebas­ti­an einen Ehren­platz im Altarraum

Bild 2: Die Mit­glie­der des Arbei­ter­ver­eins tra­gen tra­di­tio­nell die Figur des hl. Sebastian