Festlich hatte sich der Markt herausgeputzt, und das herrliche Spätsommerwetter tat ein Übriges, um Freude auf die Gesichter von Teilnehmern und Besuchern des traditionellen, seit 1695 urkundlich verbürgten Kößlarner Erntedankfestes zu zaubern. Im Rom der ausgehenden Antike war das herbstliche Erntedankfest noch mit einem strengen „Quatember-Fasten“ verbunden, seit dem Barock jedoch ist es vor allem auch ein sinnenfreudiges, überaus volkstümliches Ereignis geworden, das auch die strenge Aufklärung auf Dauer nicht auszulöschen vermochte.
In seiner Festpredigt rief Pfarrer Jörg Fleischer dazu auf, mit dem Dank für die reiche Ernte zukunftsgerichtet auch die Sorge für die Schöpfung und das Leben des Menschen überhaupt zu übernehmen. Dazu gehöre auch, mit allen Kräften sich für den christlichen Glauben und die Hoffnung im eigenen Lebensumfeld einzusetzen, ganz im Sinne der von Papst Benedikt bei seiner 2011 gehaltenen Rede im Deutschen Bundestag konzipierten umfassenden „Ökologie des Menschen“.Musikalisch gestaltet wurde der Festgottesdienst vom Kößlarner Kirchenchor zusammen mit Monika Weinzierl und den Kößlarner Bläsern.
Fahnen- und Kreuzträger sowie Herold voran und begleitet von den feierlich-würdigen Klängen der Kößlarner Blasmusik, von Bürgermeister, Gemeinderäten, Ehrengästen, Vereinen und Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr geleitete die Prozession Pfarrer Jörg Fleischer mit dem Allerheiligsten von der Pfarrkirche bis in den Unteren Markt, um schließlich ihren Abschluss wieder am Portalstöckl der Kirchenburg mit dem Schlusssegen und dem Te Deum zu finden.
Größtes Interesse der überaus zahlreichen Besucher erweckten natürlich wie jedes Jahr die Kinder in den Kostümen von Handwerkern, Feld- und Waldarbeitern, Jägern, Imkern und Brauern oder auch Köchinnen und Fischerinnen, die alle ihre berufsspezifischen Gerätschaften mit sich führten und so zeigten, wie man früher auf dem Land gearbeitet und sein Brot verdient hat. Doch den wenigsten Zuschauern dürfte bewusst gewesen sein, dass die Kinder hier die Rolle der früheren Zünfte übernommen haben, die noch den barocken Erntedankprozessionen das Geleit gegeben hatten. Eine besondere Attraktion stellten natürlich auch heuer die mitgeführten Tiere wie Gänse, Hühner, Tauben und Schafe oder auch die auf Leiterwagen mitgezogenen Modelle einer Sägemühle und eines Rottaler Vierseithofes dar. Besinnlicher wurde es, sobald die Statuen der Bauernheiligen Isidor und Notburga sowie des Pestheiligen. Sebastian vorbeizogen, die noch einmal den religiösen Charakter des Umzuges betonten.
Denn nach der Prozession mischten sich Teilnehmer und Gäste zu einem launigen Beisammensein, wo zwischen Buden und Ständen von fleißigen ehrenamtlichen Helfern reich aufgetischt wurde: Braten, Würstel, Kuchen und Schmalzgebackenes. Zur Unterhaltung spielten die Kößlarner Bläser. Flohmarktartikel zugunsten der Mission wurden ebenso angeboten. Besser, und darin dürften sich alle einig gewesen sein, kann ein Fest nicht gelingen! -mn