
Gemeinsam die Kirche vor Ort gestalten
Auftaktveranstaltung der bischöflichen Visitation mit Dr. Hans Bauernfeind im Pfarrverband Rotthalmünster
Rotthalmünster. Ein ehrlicher Blick auf die Kirche, den Glauben und auf den Pfarrverband werfen: Das ist das Ziel der bischöflichen Visitation, die derzeit im gesamten Dekanat Pocking stattfindet. Am Dienstagabend fand der Auftakt im Pfarrverband Rotthalmünster statt und Vertreter aus allen fünf Pfarreien waren dazu gekommen.
Dabei wurde kein Blatt vor den Mund genommen beim Treffen im Pfarrheim St. Bonifatius nach dem Auftaktgottesdienst. Themen wie Überalterung, Personalmangel, Skandale in der Kirche, immer weniger Kirchgänger, Umgang mit Diversität und Homosexualität, aber auch die Kirchensteuer wurden offen angesprochen.
Über allem jedoch stand eine wichtige Frage, mit der sich alle Anwesenden, darunter Vertreter der kirchlichen Organisationen, Vereine, Interessierte und hauptamtliche Mitarbeiter der Pfarreien, in den nächsten Wochen beschäftigen wollen: „Was bringt uns als Kirche vor Ort voran?“
Diese Frage stellte Visitator Domkapitular Dr. Hans Bauernfeind und er erklärte damit mit einfachen Worten, den Sinn der bischöflichen Visitation. Bereits in seiner Begrüßung beim Gottesdienst freute er sich auf diese Aufgabe: „Wir machen uns heute gemeinsam auf den Weg – für die Zukunft der Kirche.“
In seiner Predigt ging er ins Detail und rief alle dazu auf, an einem Strang zu ziehen: „Ihr alle seid mit ganzem Herzen dabei und ihr seid das Gesicht der Kirche.“ Im bestens gefüllten Pfarrheim begrüßte Pfarrer Jörg Fleischer neben dem Domkapitular auch die Moderatorin des Abends, Rebekka Redinger-Kneißl, und den bischöflichen Visitationssekretär, Markus Sturm.
„Wir alle sind im Bistum Passau eine frohe, einladende und solidarische Glaubensgemeinschaft“, stellte Dr. Bauernfeind an den Anfang seiner Ausführungen. Er erklärte Mission und Auftrag der Visitation, die alle fünf Jahre in den Pfarreien durchgeführt werden sollte.
Neben vielen Punkten, die man offen ansprechen müsse und die die Gemeinschaft auch blockieren, gebe es ebenfalls viel Positives: „In unserem Bistum gibt es noch viele lebendige Pfarreien, viele kirchliche Vereine. Wir leben hier in keiner Glaubenswüste“, war Dr. Bauernfeind überzeugt.
Im Anschluss stellten die Anwesenden selbst viele Fragen. Zum Beispiel: „Warum wird in Passau viel Geld in das sogenannte Home investiert, aber es bleibt kein Geld für die dringende Sanierung der Pfarrkirchen Rotthalmünster und Kößlarn?“
Im Detail wurde beantwortet, dass dies verschiedene Geldtöpfe seien und wegen Corona viele wichtige Bauprojekte verschoben werden mussten. Das „Home“ am Domplatz wurde vom bischöflichen Stuhl finanziert ohne Steuergelder anzufassen. Und wie solle man jetzt wegen der Projekte weiter verhandeln? „Gebt nicht auf, fragt nach, bleibt dran“, gab Dr. Bauernfeind mit auf den Weg.
Die Kirche müsse offener werden, zum Beispiel auch in Sachen Beichte und Diversität. Auch dem stimmte der Visitator zu: „Die Kirche muss sich immer wieder erneuern, offen auf alle zugehen, vor allem auch in Sachen Diversität und Homosexualität. Wir wollen als Kirche auch lernen.“
Dazu gehöre auch die Jugend besser anzusprechen, sie wieder in die Glaubensgemeinschaft zu holen. Die Jugend nicht aus dem Blick zu verlieren, war eines der zentralen Themen, die der Visitator mit nach Passau nehmen werde.
Zum Thema Beichte erklärte Dr. Bauernfeind, dass er dabei den Begriff „Sakrament der Versöhnung“ bevorzuge. Jeder habe ein anderes Bedürfnis miteinander zu reden. Als Priester müsse man sich gesprächsbereit zeigen.
Pfarrer Fleischer erklärte dazu, dass es in Rotthalmünster ein Beichtzimmer gibt. Hier kann man offen dem Priester gegenübersitzen und einfach reden. Wer eine klassische Beichte bevorzugt, der bekommt diese natürlich auch noch. Aber Gespräche werden in den letzten Jahren definitiv bevorzugt.
Am Ende der Diskussion war klar, es gibt viele Themen, die man innerhalb des Pfarrverbands aufgreifen kann, um gemeinsam die Zukunft der Kirche vor Ort zu gestalten. Eine Möglichkeit dazu bietet die Klausurtagung am Samstag, 14. Oktober, im „Haus der Begegnung“ in Burghausen, wozu alle aus dem Pfarrverband Rotthalmünster eingeladen sind. Anmelden kann man sich dazu im Pfarrbüro unter 08533 – 590. – th